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Auf seinen Weg gerufen

In jenen Tagen begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht geschehen! Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen. (Mt 16,21-23)

Hier werden wir daran erinnert, dass wir von Christus auf seinen Weg gerufen sind. Dieser Weg ist allerdings ein Weg, der oft nicht im Einklang steht mit unserem Denken und dem Denken um uns herum. Es ist der Weg, auf dem nicht das gilt, was „man“ so tut. Es ist nicht der Weg der Masse, nicht der Weg der Anpassung an das Denken und Tun der viel zitierten Mehrheit.
Als Christen sind wir in der Gefahr, den Herrn und seinen Weg aus den Augen zu verlieren.
Die Bekehrung des eigenen Lebens ist besonders schwer, weil sie jeden Tag von vorne anfängt.
Weil wir jeden Tag aufs Neue das Feuer in unseren Herzen anfachen müssen.
Gleichzeitig ist dadurch auch jeder Tag eine neue Chance:

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Radikal

Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemand tötet, soll dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein.
Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen. Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.
Ihr habt gehört. dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören, und: Du sollst halten, was du dem Herrn geschworen hast.
Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht. Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen. (Mt 5,21- 22a.27-28.33-34a.37)

Jesu „Ich aber sage euch.“ klingt sehr nach Gegensatz zum Bisherigen. So aber ist es gerade nicht gemeint. „Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllten.“ (Mt 5,17) Jesus will also das zur ganzen Fülle bringen, was schon da ist. Sein „Ich aber sage Euch“ führt uns weiter und will auch unser Leben zur Fülle bringen.
Dadurch, dass Jesus die Form der Gegenüberstellung wählt, will er uns zu neuer Aufmerksamkeit bewegen.
Scheinbar stehen seine Worte gegen das bisherige Gesetz.
Tatsächlich jedoch legt er die eigentliche Kernaussage frei. Durch diese Provokation bringt Jesus den eigentlichen Gotteswillen neu zum Leuchten.
Es geht nicht erst um das, was im Gebot formuliert ist, sondern schon um das, was dem vorausgeht.
Es geht nicht um einen Gesetzesgehorsam, sondern um einen Geist, der im alltäglichen Leben die Gottes-, Nächsten-, und Selbstliebe vereint.
Nicht erst der Mord ist zu verurteilen, sondern schon die innere Ablehnung des anderen. Jesus fordert eine radikale Bejahung des Nächsten.
Nicht erst der Ehebruch ist zu verurteilen, sondern schon der lüsterne Blick, das Sich-Treiben-lassen durch unsere bis in den letzten Winkel sexualisierte Welt. Jesus fordert eine radikale Zuwendung zum geliebten Menschen.
Nicht erst der Meineid ist zu verurteilen, sondern jeder Schwur. Denn schwören muss nur der, dem man misstrauen muss, weil ihm die Wahrhaftigkeit fremd ist. Jesus fordert eine radikale Wahrhaftigkeit, die keinen Schwur mehr nötig hat.
Wer so auf der Evangelium schaut, der spürt, wie Jesus uns zum Glück führen will. Glücklich macht Ehrlichkeit, Authentisch-Sein und Geradlinigkeit. Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein – alles andere stammt vom Bösen. Wenn Gott uns etwas vorschreibt, dann deshalb, damit wir glücklich werden.
„Feuer und Wasser sind vor dich hingestellt; streck deine Hände aus nach dem, was dir gefällt.“ (Sir 15,16)

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„Nachleuchten“

Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf dem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen. (Mt 5,14-16)

Jesu Satz: „Ihr seid das Licht der Welt.“ Hat ein ungeheures Gewicht, und eine immense Aussage für uns. Um das zu erkennen, müssen wir uns bewusst machen, dass doch eigentlich Christus das Licht der Welt ist. Als solcher wird er auch in der Bibel an vielen Stellen genannt. Denken wir nur an den Satz des Simeon als Jesus von Maria und Josef in den Tempel gebracht wird: „Nun lässt du Herr einen Knecht in Frieden scheiden, denn meine Augen haben das Heil gesehen. Ein Licht das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.“
Und plötzlich spricht Christus uns diese Würde zu, die eigentlich nur ihm zukommt. „Ihr seid das Licht der Welt.“
Eine ungeheure Würde, aber auch eine nicht zu unterschätzende Aufgabe.
Wir dürfen sein Licht in diese Welt hinein „reflektieren“.
Vielleicht so wie die vielen „nachleuchtenden“ Schilder die im Notfall den Weg aus Gebäuden weisen sollen. Sie nehmen das Licht aus der Umgebung auf und geben es bei Dunkelheit wieder.
So dürfen auch wir das Licht Christi aufnehmen, es wiedergeben und so inmitten einer Welt, die oft den Weg nicht mehr kennt, diesen Weg weisen. „Tut alles ohne Murren und Bedenken, damit ihr rein und ohne Tadel seid, Kinder Gottes ohne Makel mitten in einer verdorbenen und verwirrten Generation, unter der ihr als Lichter in der Welt leuchtet.“ (Phil 2,14-15). Damit wir als Christen dieser Aufgabe gerecht werden können, sollten wir uns immer wieder in das Licht Christi stellen, das uns in der Eucharistie, den anderen Sakramenten und dem Wort Gottes leuchtet. Stellen wir uns in Christi Licht, damit es in unserem Denken, Fühlen, Reden und Handeln für unsere Welt sichtbar wird. „So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“

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Im Blick Jesu

Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen ihre Netze in den See, denn sie waren Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm. (Mk 4,18-20)

Jesus „sah“ die beiden Brüder. Dieses „Sehen“ ist mehr als ein bloßes optisches Wahrnehmen. Jesus sieht sehr viel tiefer. Er sieht ihre Sehnsucht nach Heil-sein, ihren Durst nach wahrem Leben, ihre Erwartung des Erlösers, ihr unentdecktes Potenzial…
Jesus schaut mit diesem heilenden Blick auf das Leben der Menschen auf unser Leben.
Seine Aufforderung „Kommt her, folgt mir nach“ sagt daher auch viel mehr aus, als die Einladung mit ihm zu gehen. Er spricht ihnen vielmehr zu: „Ich kann heilen, wo ihr euch unheil, nicht vollkommen fühlt. Eure Sehnsucht nach dem Himmelreich kann erfüllt werden.“
Das scheinen Simon und Andreas gespürt und verstanden zu haben: „Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm“. Sie haben die Gemeinsamkeit wahrgenommen. Sie fühlten sich wohl in diesem heilenden und liebenden Blick Jesu.
Auch uns blickt Jesus immer wieder heilend, erbarmend, liebend an. Besonders in den Sakramenten können wir es spüren. Nehmen wir diesen Blick Jesu auf uns wahr? Suchen wir ihn und fühlen uns in seinem Blick wohl?

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Senfkornglaube

In jener Zeit baten die Apostel den Herrn: Stärke unseren Glauben! Der Herr erwiderte: Wenn euer Glaube auch nur so groß wäre wie ein Senfkorn, würdet ihr zu dem Maulbeerbaum hier sagen: Heb dich samt deinen Wurzeln aus dem Boden, und verpflanz dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen. (Lk 17,5+6)

„Wenn euer Glaube auch nur so groß wäre wie ein Senfkorn“ sagt Jesus, dann… ja, dann könnte er eine Menge bewirken.
Das ist kein Vorwurf, sondern eher ein Hinweis:
In uns steckt mehr Fähigkeit zum Glauben und Vertrauen, als wir es für möglich halten.
Sie muss nur entdeckt und entfaltet werden, diese Glaubenskraft.
Ich muss sie wachsen lassen. Ich darf ihr etwas zutrauen.
„Stärke unseren Glauben“, so bitten die Apostel.
Und der Herr verweist sie auf die inneren Kräfte, die Gott in jeden Menschen gelegt hat:
Vertraut darauf, ihr seid zu mehr fähig, als ihr meint!

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Fest der Faulenzer

Weh den Sorglosen auf dem Zion und den Selbstsicheren auf dem Berg von Samaria. Ihr liegt auf Betten aus Elfenbein und faulenzt auf euren Polstern. Zum Essen holt ihr euch Lämmer aus der Herde und Mastkälber aus dem Stall. Ihr grölt zum Klang der Harfe, ihr wollt Lieder erfinden wie David. Ihr trinkt den Wein aus großen Humpen, ihr salbt euch mit dem feinsten Öl und sorgt euch nicht über den Untergang Josefs. Darum müssen sie jetzt in die Verbannung, allen Verbannten voran. Das Fest der Faulenzer ist nun vorbei. (Am 6, 1a.4-7)

Wenn so eine Botschaft des Amos anstößig war, wenn die Leute daran Anstoß genommen haben, dann ist es genau das, was diese Worte bewirken wollten:
Gott will anstoßen mit seiner Botschaft, damit uns die Augen geöffnet werden, damit wir nicht mit einer vordergründigen Sicherheit und Gleichgültigkeit in den Tag leben.
Gott hat uns das Wort der Bibel gegeben, weil es für uns buchstäblich lebensnotwendig ist,
weil wir Gefahr laufen, dass unser Leben scheitert,
weil wir die Maßstäbe Gottes nicht mehr kennen,
weil wir den Zaun nicht mehr sehen, den Gott abgesteckt hat,
weil wir den Weg zum erfüllten Leben, den Gott uns in der Bibel aufzeigt, nicht kennen.
Es ist für uns lebensnotwendig.
Im Wort Gottes haben wir den Maßstab für das Gelingen unseres Lebens!
Wir können natürlich sagen: „Das glaub ich nicht!
Ich kann mir nicht vorstellen, dass Gott so ist.“
Wir müssen dann aber auch mit der Gefahr leben, dass es ein böses Erwachen geben kann.

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Demut

Als Jesus an einem Sabbat in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen kam, beobachtete man ihn genau. Als er bemerkte, wie sich die Gäste die Ehrenplätze aussuchten, nahm er das zum Anlass, ihnen eine Lehre zu erteilen. Er sagte zu ihnen:
Wenn du zu einer Hochzeit eingeladen bist, such dir nicht den Ehrenplatz aus. Denn es könnte ein anderer eingeladen sein, der vornehmer ist als du, und dann würde der Gastgeber, der dich und ihn eingeladen hat, kommen und zu dir sagen: Mach diesem hier Platz! Du aber wärst beschämt und müsstest den untersten Platz einnehmen.
Wenn du also eingeladen bist, setz dich lieber, wenn du hinkommst, auf den untersten Platz; dann wird der Gastgeber zu dir kommen und sagen: Mein Freund, rück weiter hinauf! Das wird für dich eine Ehre sein vor allen anderen Gästen.
Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.
(Lk 14,1.7-11)

  1. Laut ruft uns, Brüder, die Heilige Schrift zu: „Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“
    2. Mit diesen Worten zeigt sie uns also, dass jede Selbsterhöhung aus dem Stolz
    hervorgeht.
    3. Davor hütet sich der Prophet und sagt: „Herr, mein Herz ist nicht überheblich, und meine Augen schauen nicht hochmütig; ich ergehe mich nicht in Dingen, die für mich zu hoch und zu wunderbar sind.
    4. Wenn ich nicht demütig gesinnt bin und mich selbst erhöhe, was dann? Du behandelst mich wie ein Kind, das die Mutter nicht mehr an die Brust nimmt.“
    5. Brüder, wenn wir also den höchsten Gipfel der Demut erreichen und rasch zu jener Erhöhung im Himmel gelangen wollen, zu der wir durch die Demut in diesem Leben aufsteigen,
    6. dann ist durch Taten, die uns nach oben führen, jene Leiter zu errichten, die Jakob im Traum erschienen ist. Auf ihr sah er Engel herab und hinaufsteigen.
    7. Ganz sicher haben wir dieses Herab und Hinaufsteigen so zu verstehen: Durch Selbsterhöhung steigen wir hinab und durch Demut hinauf.
    8. Die so errichtete Leiter ist unser irdisches Leben. Der Herr richtet sie zum Himmel auf, wenn unser Herz demütig geworden ist.
    (aus der Regel des Hl. Benedikt, Kapitel 7 „Die Demut“ 1-8)

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