Archiv der Kategorie: Sonntagsgedanken

2. Advent

Das eine, liebe Brüder, dürft ihr nicht übersehen: dass beim Herrn ein Tag wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag sind. Der Herr zögert nicht mit der Erfüllung der Verheißung, wie einige meinen, die von Verzögerung reden; er ist nur geduldig mit euch, weil er nicht will, dass jemand zugrunde geht, sondern dass alle sich bekehren. (2 Petr 3,8-9)

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Vor Gott stehen

„Herr, wir danken dir, dass du uns berufen hast, vor dir zu stehen und dir zu dienen“ (2. Hochgebet)

Dieses „Stehen“ vor Gott unserem König, will bedacht und beachtet sein: Für mich heißt das, dass wir uns vor unserem Gott, auch und gerade weil er unser König ist, nicht notwendigerweise klein machen müssen, so als müssten wir ständig ein schlechtes Gewissen haben.
Wir sitzen aber auch nicht vor Gott, etwa in dem Sinn, dass wir uns beruhigt zurücklehnen könnten, weil uns Gott und sein An- bzw. Einspruch an oder in unser Leben nichts anginge – nein, unser Gott ist ein Gott vor dem wir mit Ehrfurcht stehen, dem wir Auge in Auge gegenüber stehen, der uns als Partner ernst nimmt.
Was auch immer wir tun im Leben, es sollte kein Selbstzweck sein, sondern es sollte gut und förderlich sein für Gott und für die Menschen. Es gehört zum Grundauftrag, zur Berufung des Christen, für andere da zu sein, vor allem für Schwächere, Benachteiligte und an den Rand Gedrängte. (vgl. Mt 25,31-46)
Gott ruft uns, und wir antworten verantwortungsvoll und mit aller Ernsthaftigkeit mit unserem Leben. Dadurch kommt Bewegung und Sinn in unser Tun – dafür danken wir dem Herrn, auf den wir uns verlassen können. In diesem Sinn dürfen wir unsere Berufung und Verantwortung verstehen und sie leben.

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Vertrauen

In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis:
Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der auf Reisen ging: Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an. Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld, einem anderen zwei, wieder einem anderen eines, jedem nach seinen Fähigkeiten. Dann reiste er ab. Nach langer Zeit kehrte der Herr zurück, um von den Dienern Rechenschaft zu verlangen. Da kam der, der die fünf Talente erhalten hatte, brachte fünf weitere und sagte: Herr, fünf Talente hast du mir gegeben; sieh her, ich habe noch fünf dazugewonnen. Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn! (Mt 25, 14-15.19-21)

Das Wort Talente hat es in unserem Wortschatz in die Alltagssprache geschafft. Daher ist es für uns offensichtlich, dass mit den Talenten, die wir von Gott anvertraut bekommen haben, innere Anlagen und Möglichkeiten gemeint sind, die es zu entfalten und auszubauen gilt.
Aber es geht auch durchaus noch tiefer. Gott vertraut uns auch andere Menschen an, das Geschick seiner Menschen legt er in unsere Hände. Uns sind viele Menschen anvertraut: Eltern, Kinder, Partner, Partnerin, Arbeitskollegen, Mitschüler, Chef, Mitarbeiter, Priester, Gemeinde…
Wir können uns gegenseitig beschenken, wir können einander das Leben mehren, und diesem Leben eine ganz neue Qualität geben. Wir können es! Und Gott baut darauf.
Und Christus hat uns noch viel mehr anvertraut: sein Wort, seine Wahrheit, das lebendige Brot. Und die Gaben des Geistes. Die kostbare Zeit unseres Lebens aber ist uns gegeben, damit wir lernen, an seine Liebe zu glauben und ihm zu danken.
Er baut darauf, dass das Vertrauen, das er in uns investiert, dass dieses Vertrauen Zinsen trägt.

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Weisheit

Strahlend und unvergänglich ist die Weisheit; wer sie liebt, erblickt sie schnell, und wer sie sucht, findet sie. Denen, die nach ihr verlangen, gibt sie sich sogleich zu erkennen. Wer sie am frühen Morgen sucht, braucht keine Mühe, er findet sie vor seiner Türe sitzen. Über sie nachzusinnen ist vollkommene Klugheit; wer ihretwegen wacht, wird schnell von Sorge frei. Sie geht selbst umher, um die zu suchen, die ihrer würdig sind; freundlich erscheint sie ihnen auf allen Wegen und kommt jenen entgegen, die an sie denken. (Weish 6,12-16

Kluge Menschen kennen wir alle, vielleicht gehört sogar der ein oder andere selber mit zu dieser Gruppe von Menschen. Aber Klugsein ist nur das eine.
Weise zu sein ist etwas ganz Anderes.
Wer klug ist, mag sich in vielen Dingen gut auskennen.
Wer weise ist, hat den Überblick über das, was wirklich wesentlich ist und zählt.
Der Weise blickt weiter, ist durch die Lebenserfahrung gereift und hat erkannt, was bleibend ist und was vergänglich ist. Weisheit kann man sich nicht erarbeiten, oder mit noch so großer Mühe erwerben. Weisheit ist letztlich Geschenk Gottes.
Für dieses Geschenk gilt es offen zu sein, darauf kann man sich vorbereiten, aber es ist nicht verdienbar.
Der kluge Mensch ist offen für die Weisheit, die von Gott kommt und die Gott allein schenkt.

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Diener

In jener Zeit wandte sich Jesus an das Volk und an seine Jünger und sprach:
Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder.  Auch sollt ihr niemand auf Erden euren Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel. Auch sollt ihr euch nicht Lehrer nennen lassen; denn nur einer ist euer Lehrer, Christus.
Der Größte von euch soll euer Diener sein.
Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden. (Mt 23,1.8-12)

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit:
in den entscheidenden Augenblicken des Lebens helfen weder Titel noch Einfluss noch Macht – da helfen allein Vertrauen, Hoffnung und Glaube.
Aber irgendwie scheinen wir Menschen so veranlagt zu sein, dass wir dies manchmal vergessen und auf falsche Sicherheiten bauen. Daran erinnert uns das Evangelium mit der Aussage Jesu: „Wer sich selbst erhöht wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“
Der einzige „Titel“, den Jesus gelten lässt, auch wenn er ihn nicht als solchen ausspricht, ist der des „Dieners“.
Er selbst hat uns den Dienst und das Dienersein vorgelebt; im seinem Sinne handeln heißt also, sich zum Diener machen. Wir dürfen uns ihn zum Vorbild nehmen.

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Kindsein

Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es. Die Welt erkennt uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat. Liebe Brüder, jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Jeder, der dies von ihm erhofft, heiligt sich, so wie Er heilig ist. (1 Joh 3,1-3)

„Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es.“
Bei den Kindern können wir oftmals sehen, dass sie sowohl in der äußeren Erscheinung, als auch in ihrem Wesen, Züge der Eltern in sich tragen. Wir können an den Kindern erkennen, zu welcher Familie sie gehören.
Welch eine große Ehre ist es da, wenn wir Kinder Gottes sind!! Wir tragen göttliche Wesenszüge in uns! Wir tragen Spuren, Züge Gottes in uns!
Wir sind mit Gott eng verbunden, haben Anteil an Gottes Wesen und Art.
Das ist ein Riesen-Geschenk, eine große Gabe, eine Gnade, die uns Christen geschenkt ist und für die wir dankbar sein dürfen.
Daher kann es uns eine Ehrenaufgabe sein, die Spuren Gottes in uns freizulegen: seine Barmherzigkeit, seine Güte, seine Liebe…
Am Hochfest Allerheiligen feiern wir Menschen, die diese Spuren Gottes in sich in besonderer Art und Weise gefunden, freigelegt und gepflegt haben. Die das Geschenk Gottes behutsam ausgepackt und ihm einen Ehrenplatz im eigenen Leben gegeben haben.
Wir erinnern uns daran, dass auch wir zu Heiligkeit berufen sind.

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Auf der Suche

In jener Zeit, als die Pharisäer hörten, dass Jesus die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, kamen sie bei ihm zusammen. Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn auf die Probe stellen und fragte ihn: Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste? Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten. (Mt 22,34-40)

Ganz klar und eindeutig führt Jesus Alles auf den einen Urgrund zurück. Er konzentriert es, wie in einem Brennglas: Wir sollen Gott lieben, von ganzem Herzen und mit all unseren Gedanken. Und diese Liebe verwirklicht sich darin, dass wir den Anderen lieben, wie uns selbst.
„Mit all unseren Gedanken“ – Aber wo sind unsere Gedanken?
Sie sind oft mit so Vielem beschäftigt, sind oft flatterhaft und oberflächlich, sind im Alltag gefangen, aber sind sie auch auf der Suche nach Gott?
Sind wir auf der Suche nach Gott mit allen unseren Gedanken, mit jeder Faser unseres Lebens?
„Freuen sollen sich alle, die den Herrn suchen. Sucht den Herrn und seine Macht, sucht sein Antlitz allezeit.“ (Ps 105,3-4)
Sind wir heute Gottsucher?

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