Monatsarchiv: Oktober 2016

Ansehen

In jener Zeit kam Jesus nach Jericho und ging durch die Stadt. Dort wohnte ein Mann namens Zachäus; er war der oberste Zollpächter und war sehr reich. Er wollte gern sehen, wer dieser Jesus sei, doch die Menschenmenge versperrte ihm die Sicht; denn er war klein. Darum lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus zu sehen, der dort vorbeikommen musste. Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte zu ihm: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein. Da stieg er schnell herunter und nahm Jesus freudig bei sich auf. Als die Leute das sahen, empörten sie sich und sagten: Er ist bei einem Sünder eingekehrt. Zachäus aber wandte sich an den Herrn und sagte: Herr, die Hälfte meines Vermögens will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück. Da sagte Jesus zu ihm: Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist. Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist. (Lk 19,1-10)

Dadurch, dass Jesus Zachäus ansieht und anspricht, dadurch, dass er ihm Ansehen schenkt, beginnt Zachäus die Welt und ihre Zusammenhänge aus dem Blickwinkel Gottes zu sehen.
Damit werden manche Dinge klein und winzig, die wir bisher als unumstößlich und weltbewegend angesehen haben. Der Blick auf die Welt und das eigene Leben bekommt eine andere Wertigkeit, wenn ich sehe, dass Gott mit anderen Augen sieht, dass er mit anderen Maßstäben handelt, als ich es aus meinem Blickwinkel heraus tun würde.
Es liegt an jedem von uns, wie Zachäus nicht die Möglichkeit zu verpassen, sich auf eine solche Veränderung der eigenen Lebenseinstellung einzulassen.

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Gnade

In jener Zeit erzählte Jesus einigen, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten, dieses Beispiel:
Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stellte sich hin und sprach leise dieses Gebet: Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort. Ich faste zweimal in der Woche und gebe dem Tempel den zehnten Teil meines ganzen Einkommens.
Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig!
Ich sage euch: Dieser kehrte als Gerechter nach Hause zurück, der andere nicht. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden. (Lk 18,9-14)

Aus Erfahrung wissen wir alle, wie wir uns immer wieder rechtfertigen wollen, um gut dazustehen vor uns selbst, vor den anderen und auch vor Gott. Wir glauben manchmal mehr an uns selbst als an einen verstehenden und verzeihenden Gott.
Der Zöllner aber hat mehr an einen solchen Gott geglaubt als an sich.
Er beruft sich nicht auf sich, sondern er ruft zu Gott: „Gott, sei mir Sünder gnädig.“
Das ist die gute Nachricht für uns:
dass wir uns nicht ausweisen müssen mit Leistungen und Verdiensten, dass man keinen guten Namen braucht und keine weiße Weste, um bei Gott vorgelassen zu werden, kein besonderes Ansehen.
Der Gott, den Jesus verkündet, ist einer, der sich an uns verschenken will, nicht einer der sich verkaufen möchte.
Gott ist nicht käuflich, er gibt sich gratis, aus Gnade, ganz einfach weil ihm an uns alles gelegen ist:
Gott sei uns Sündern gnädig!!

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Hartnäckigkeit

In jener Zeit sagte Jesus ihnen durch ein Gleichnis, dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten:
In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm. 3In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe, die immer wieder zu ihm kam und sagte: Verschaff mir Recht gegen meinen Feind! Lange wollte er nichts davon wissen. Dann aber sagte er sich: Ich fürchte zwar Gott nicht und nehme auch auf keinen Menschen Rücksicht; trotzdem will ich dieser Witwe zu ihrem Recht verhelfen, denn sie lässt mich nicht in Ruhe. Sonst kommt sie am Ende noch und schlägt mich ins Gesicht. Und der Herr fügte hinzu: Bedenkt, was der ungerechte Richter sagt.
Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern zögern?
Ich sage euch: Er wird ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen. Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde noch Glauben vorfinden? (Lk 18,1-8)

Zwei Punkte sind an diesem Vergleich ungeheuer wichtig.
Da ist zunächst die Hartnäckigkeit. Jesus schildert die Jünger, als „Gottes Auserwählte“, die „Tag und Nacht zu ihm schreien“.
Beten kann also auch die ganze Hartnäckigkeit der Witwe haben. Es ist erlaubt, Gott auf die Pelle zu rücken.
Aber auch das zweite ist unbedingt zu beachten:
Jesus vergleicht Gott nicht mit einem ungerechten Richter, sondern sagt: Wenn schon ein ungerechter Richter dies tut – um wie viel mehr dann der gerechte Gott und Vater!
Das Evangelium weist uns darauf hin, dass derjenige, der meint, Gott sei ein Selbstbedienungsladen und das Gebet ein Blanko-Bestellformular, enttäuscht werden dürfte.
Das Gebet, das Jesus meint, ist Teil und Frucht einer Beziehung zwischen Gott und den Menschen.
Die Bitte, zu der Jesus auffordert, ist gewachsen aus dem Vertrauen, mit dem Menschen ihr ganzes Leben auf Gott setzen, sich ganz ihm anvertrauen und als Gottes Volk leben.

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Heilung – Heil

Auf dem Weg nach Jerusalem zog Jesus durch das Grenzgebiet von Samarien und Galiläa. Als er in ein Dorf hineingehen wollte, kamen ihm zehn Aussätzige entgegen. Sie blieben in der Ferne stehen und riefen: Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!
Als er sie sah, sagte er zu ihnen: Geht, zeigt euch den Priestern! Und während sie zu den Priestern gingen, wurden sie rein.
Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war; und er lobte Gott mit lauter Stimme. Er warf sich vor den Füßen Jesu zu Boden und dankte ihm. Dieser Mann war aus Samarien.
Da sagte Jesus: Es sind doch alle zehn rein geworden. Wo sind die übrigen neun? Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden?
Und er sagte zu ihm: Steh auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen. (Lk 17,11-19)

Zehn Männer wurden geheilt, aber nur einer von ihnen wurde heil. Nur einer hat erkannt, woraus er wirklich lebt. Nur ihm ist aufgegangen, dass sein Leben Tag für Tag verdanktes Leben ist, Leben als Geschenk aus der Hand Gottes.

Danken heißt: tiefer schauen, unter die Oberfläche des Lebens, es bedeutet zu entdecken, dass nichts im Leben selbstverständlich ist. Dass ich leben darf, dass ich atmen kann, dass Menschen mich anschauen und mögen, dass ich denken und arbeiten, mich bewegen und freuen kann, all das ist Geschenk, Geschenk des Gottes, der die Welt und mich geschaffen hat, weil er mich für wertvoll erachtet; weil ihm an mir gelegen ist.

Das Leben ist Geschenk. Das Leben ist Ort und Raum, in dem uns Gottes Liebe, Gottes Zuwendung Tag für Tag zuteil wird. – Nein, es ist nicht selbstverständlich, da zu sein! Es ist nicht selbstverständlich zu atmen, sich zu bewegen, zu lachen, aber auch weinen zu können!

Geheilt ist nicht der, der äußerlich gesund ist. Geheilt ist der, dem die Augen aufgehen, wem er sein Leben verdankt. Er geht verwandelt in seinen Alltag zurück. Er schaut sein Leben, die Menschen und alles, was ihm da begegnet, mit neuen Augen an – und mit neuem Mut. Er weiß, dass er nie allein ist, selbst wenn er sich so fühlt.
„Steh auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen!“ –

Jesu Worte an den einen von den zehn Aussätzigen sind Ermutigung und Verheißung an uns.
Die Feier der sonntäglichen Eucharistie möge uns die Augen öffnen, damit wir erkennen, wem wir unser Leben verdanken; damit wir spüren, wie ER – der Gott des Lebens – Tag für Tag heilend an uns wirkt. Wenn wir IHN in unserem Leben am Werk sehen und dafür preisen können, dann gehen wir als „heile“ Menschen, als verwandelte Menschen in die neue Woche.

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Rosenkranz

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3. Oktober 2016 · 10:00

Senfkornglaube

In jener Zeit baten die Apostel den Herrn: Stärke unseren Glauben! Der Herr erwiderte: Wenn euer Glaube auch nur so groß wäre wie ein Senfkorn, würdet ihr zu dem Maulbeerbaum hier sagen: Heb dich samt deinen Wurzeln aus dem Boden, und verpflanz dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen. (Lk 17,5+6)

„Wenn euer Glaube auch nur so groß wäre wie ein Senfkorn“ sagt Jesus, dann… ja, dann könnte er eine Menge bewirken.
Das ist kein Vorwurf, sondern eher ein Hinweis:
In uns steckt mehr Fähigkeit zum Glauben und Vertrauen, als wir es für möglich halten.
Sie muss nur entdeckt und entfaltet werden, diese Glaubenskraft.
Ich muss sie wachsen lassen. Ich darf ihr etwas zutrauen.
„Stärke unseren Glauben“, so bitten die Apostel.
Und der Herr verweist sie auf die inneren Kräfte, die Gott in jeden Menschen gelegt hat:
Vertraut darauf, ihr seid zu mehr fähig, als ihr meint!

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